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Mein Weg - Der Weg zur Bewusstwerdung
Als ich erfuhr, dass das was mir die letzte Zeit Probleme bereitet hat
Krebs ist, hatte ich das Gefühl den Boden unter den Füssen zu
verlieren - andererseits hatte ich das Gefühl es schon gewusst zu
haben; nur habe ich das nicht gleich gemerkt, dass ich das weiß.
Zwischen "das ist das Ende" und "das kann doch einfach
nicht wahr sein". Oder soll ich das einfach ignorieren und nach
Hause gehen - die Ärzte irren sich...
Erst langsam wurde mir bewusst, dass ich die Tatsache akzeptieren und
aktiv und ehrlich mir gegenüber damit umgehen muss. Damit meine ich, zu
erfahren wie so eine Krankheit ausbricht, wie man sie bekämpft, wo man
welche Unterstützung oder Beratung
bekommt. Welche Alternativen zur
Schulmedizin mir zur Verfügung stehen, zu spüren wie meine Psyche
oder Seele mit der Krankheit umgeht.
Ich bin derzeit in mehreren Selbsthilfegruppen aktiv. In der Gruppe94
- einer Gruppe für "Komplementäre Krebsmedizin" wo über die
Behandlungsmöglichkeiten rege diskutiert wird, bei der SHG "ilco"
welche aus betroffenen Stomapatienten besteht und mir ermöglicht
Erfahrungen in der Stomaversorgung auszutauschen. Auch bin ich manchmal
bei der Krebsselbsthilfegruppe "Die
Zwiebel" wo ich die Alltagssorgen mit anderen
Krebspatienten besprechen kann.
Die Operation
Es war kurz vor Weihnachten, alles schon "beschlossene Sache"
wo und wie gefeiert wird.
Dann DAS... Ich habe mit mehreren Personen meine Situation besprochen.
Einer meint in diesem Krankenhaus, der nächste in einem Anderen, ein
Arzt meint zuerst bestrahlen, der andere lieber gleich operieren. Der nächste
meint, dass ich den Krebs auch mit alternativen Heilmethoden weg
bekomme. Welche Vorbereitungen muss ich auf meinem Arbeitsplatz, für
die Zeit die ich fehlen werde, treffen.
Die Gedanken in Ruhe zu ordnen fiel mir schwer.
Ich habe versucht auf mein Gefühl zu horchen und es entwickelte sich
eine Entscheidung.
Jede Information im vorhinein hat mir die Möglichkeit gegeben, selbst
Entscheidungen zu treffen um nicht den Entscheidungen der Anderen
ausgeliefert zu sein.
Auswahl des Krankenhauses
Ich habe die Krankenhäuser, welche mir empfohlen wurden, besucht und
darauf geachtet wo ich mich geborgener gefühlt habe. Ich habe mir erklären
lassen wie die verschiedenen Abteilungen in den Krankenhäusern
arbeiten. Welche Spezialisierungen bieten die Operationsteams. Die einen
machen verschiedenste Operationen im kleinen Team die anderen sind mehr
spezialisiert und getrennt von den anderen Operationsgebieten. Jedes hat
auch seine Vorteile. Ich habe mich dann zwischen klein-und-alles
(regionales Krankenhaus), riesig-und-spezialisiert (AKH-Wien) sowie
gross-und-spezialisiert (KH-Lainz) entschieden. Ich habe mich zu Lainz
entschieden, da dort ein Team nur Magen-Darm-Galle Operationen durchführt
und ich mir sicher war, dass wenn der Chirurg wo in mir schneidet, dass
er dies schon so oft gemacht hat, dass er besser als jeder andere sofort
erkennt wie weit, wo, geschnitten werden muss. Beim AKH-Wien war ich
eigentlich durch seine Größe und Bauart verunsichert, so dass ich mich
dort orientierungslos vorkam. In Lainz ist alles in einzelnen Gebäuden
wobei jedes Gebäude für einen bestimmten Bereich tätig ist; Nachteil
- für Untersuchungen muss man dann jeweils weitere Strecken außer Haus
transportiert werden. Diese Schilderung soll Ihnen zeigen wie Sie zu so
einer Auswahl kommen. Akzeptieren Sie nicht sofort eine Empfehlung des
Hausarztes oder eines Familienangehörigen oder Bekannten - machen Sie
Sich selbst ein Bild davon, in welche "Schützende-Heilende-Hände"
Sie Sich begeben.
Gespräch mit dem
operierenden Arzt
Entscheiden Sie, ob Sie genau wissen wollen,
wie Ihre Operation verlaufen wird.
Wenn NEIN,
lesen Sie bei der Regelung mit dem Arbeitgeber weiter...
Wenn JA, lesen Sie meine
Erfahrungen.
fragen Sie nach dem voraussichtlichen Spielraum welche der operierende
Arzt erwartet, z.B. ob der Ausgang rückoperabel sein wird, wie
entschieden wird, wie viel herausoperiert werden muss und was der Arzt für
Komplikationen erwartet.
Fragen Sie nach den Vor- und Nachteilen, wenn vor einer Operation
bestrahlt wird, um den Tumor zu verkleinern. Die einem haben damit
Erfolg, da der Tumor sich wirklich verkleinert und die Operation dann
kleiner ausfällt, bei anderen entwickelt sich der Tumor nicht zurück
und es muss dann in das bestrahlte Gewebe operiert werden, was die
Heilung der Narben etwas verzögert. Wird sofort operiert wird
verhindert, dass der Krebs ev. in anderes Gewebe einwächst oder
ausgerechnet in dieser Zeit Metastasen bildet.
Klären Sie, wo der künstliche Ausgang angelegt wird, um später im
Alltag so bequem als möglich leben zu können. Dabei richtet sich die
Position des Ausganges hauptsächlich nach der maximal verbleibenden Länge
des nicht befallenen Darmes. Wenn aber auch nur um einige Zentimeter gewählt
werden kann soll dies gut überlegt und genutzt werden. Die Fragen sind:
Wo verlaufen die Bünde der Bekleidung bei Rock oder Hose, wo entwickeln
sich Falten auf der Bauchdecke beim Hinhockerln oder Sitzen, wird eine
Sportart betrieben, bei der es sinnvoll sein kann, bestimmte Stellen der
Bauchdecke frei zu lassen. Auch auf die tägliche Pflege soll Rücksicht
genommen werden. Normalerweise wird über den Ausgang ein Säckchen mit
einer bestimmten Größe an Klebefläche geklebt und diese sollte keine
Falten machen und nicht auf Haare geklebt werden müssen.
Fragen Sie nach dem zeitlichen Ablauf. Wo Sie vorbereitet werden, wie
lange die Operation dauert, wie lange Sie voraussichtlich in der
Aufwachstation bleiben werden, wann Sie erfahrungsgemäss wieder
aufstehen können und wie lange Sie vermutlich im Krankenhaus stationär
aufgenommen werden.
Regelung mit dem Arbeitgeber
Zuletzt der Arbeitsplatz... nicht ohne Grund zuletzt. Erst wenn Sie
wirklich wissen, wo und wann eine Operation stattfindet, regeln Sie
alles mit dem Arbeitgeber. Dies ist fast schon wie die erste Lektion in
der Bewußtwerdung - zuerst "mein Körper" und "meine
Seele". Ich habe meinem Dienstgeber mitgeteilt, wie ich die nächsten
Wochen verbringe und alle Termine und Arbeiten für diese Zeit entweder
abgeschlossen oder an meine, schnell erst zu findende, Vertretung übergeben.
Sollten bei diesen Abschlussarbeiten seitens des Arbeitgebers Aussagen
kommen, wie z.B. wie lange so eine Erkrankung dauert, dass das
Unternehmen für diese Zeit Ersatz braucht oder Sie das Gefühl habe,
dass Ihr Dienstgeber nicht zu Ihnen steht dann informieren Sie Sich möglichst
genau über Ihre Rechte beim Bundessozialamt, Gewerkschaft, Krankenkasse
oder ähnlichen Institutionen und Sie werden im Gespräch mit ihrem
Arbeitgeber oder Vorgesetzten den Eindruck vermitteln, dass mit Ihnen
nicht beliebig umgesprungen werden kann, da Sie wissen, was Ihre Rechte
sind. Meistens reicht das um eine Einigung mit dem Arbeitgeber zu
erzielen.
Alternativen
Ich glaube an die Kraft des Geistes und daran, dass man dadurch einen
gesunden Körper hat, aber dass ich die Krankheit-Krebs bekommen hatte
war für mich ein Zeichen, dass genau diese Kraft in mir, in dieser
Situation nicht ausreicht, um mithilfe meines Geistes die Krankheit zu
kurieren. Ich kenne Fälle, die das wirklich mental geschafft haben
sowie einen Naturheiler (Schamanen) der so eine Ausbildung und
Begleitung anbietet. Wer sich dieser Kraft, zu diesem Zeitpunkt, nicht
wirklich sicher ist und sie vorher nicht schon bewusst gehabt hat,
sollte meiner Meinung nach das "Experiment" lieber nicht
riskieren sondern zur "Schulmedizin" finden und anschließend
diesen Weg gehen.
Die Chemotherapie
Der Beginn der Chemotherapie war, als ich noch Bestrahlungen erhalten
habe. Mein Körper reagierte sehr heftig mit Verdauungsproblemen. Die
Therapie wurde daraufhin ausgesetzt bis ich mich von den Bestrahlungen
erholt hatte. Heute habe ich die 9. Einheit von 24 erhalten (ich werde
den Text ändern, wenn ich weiter bin). Das Zusammenspiel von
Chemotherapie und Bestrahlung zeigte mir die Schwachstellen meines Körpers.
Ich achte jetzt besonders genau auf Diese.
Nachdem ich mit Menschen gesprochen hatte, welche keine Chemotherapie
genommen hatten, sowie mit den Ärzten mehrere Gespräche führte, habe
ich mich entschlossen, obwohl ich mir sicher bin, momentan keinen Krebs
zu haben, die Wahrscheinlichkeit von Metastasen durch frei
wandernde Krebszellen welche sich womöglich angesiedelt haben zu verringern.
Ich habe mir die Statistiken, welche die Sterberaten von
Darmkrebserkrankten zeigen, mehrmals betroffen betrachtet und glaube,
dass durch bessere Information der Betroffenen und Angehörigen auch
eine höhere Überlebensrate erzielt wird.
Ich hatte einen Zustand, welcher wohl unangenehm, aber nicht
erschreckend ist. Meine Verdauung war sehr empfindlich und schmerzte
mitunter. Manchmal schmeckte ich plötzlich irgendetwas chemisches,
manchmal war ich einfach müde, manchmal hatte ich Schmerzen wie von
einem leichten Muskelkater. Ich war auch mitunter nicht besonders gut
aufgelegt... wen wundert´s?
(ich schreibe aber nur wenn es mir gut geht...)
Ein halbes Jahr nach der Bestrahlung, während der
Chemotherapie wurde das Verdauungsproblem immer heftiger und ich bekam
durch die Vernarbungen durch die Bestrahlungen einen Darmverschluss und
musste nochmals operiert werden. Wie die Chemotherapie dabei mitspielt
kann ich nicht sagen aber nach der Operation dauerte es mehrere Monate,
bis die Verdauung nur annähernd normal wurde. Das, glaube ich, ist auf
die Schwächung der Darmschleimhäute durch die Chemotherapie zurückzuführen.
Im Jahr 2005 hatte ich wieder zwei Darmverschlüsse welche durch
Medikamente gelöst wurden. Nach jeder dieser Komplikationen
dauert es Wochen bis mein Energiehaushalt und die Verdauung wieder
im Einklang sind. Nach Aussage der Ärzte muss ich in Zukunft
immer wieder damit rechnen diese Komplikation zu bekommen, da mir
die stabilisierenden Häute welche den Darm halten fehlen oder
vernarbt sind. Dieser Zustand ist mit ein Grund, dass ich
psychische Probleme habe.
Wieder
im Berufsleben
In meinem derzeitigen Beruf als EDV-Leiter sind Termintreue,
zeitliche Flexibilität und das Auftreten als Vertrauensperson
(Anzug u.s.w.) sehr wichtig. Durch meine Erkrankung und den davon
resultierenden Verdauungsstörungen habe ich immer wieder Probleme
meine Aufgaben wie erwartet zu erfüllen. Das größte Problem
dabei ist, dass ich immer wieder Termine mit Technikern oder
Vertretern sowie intern mit der Geschäftsführung, mit den
Abteilungsleitern und Mitarbeitern absagen muss. Um das zu
verhindern fahre ich sehr oft in die Arbeit obwohl ich eigentlich
besser zu Hause bleiben sollte. Wenn dann Schmerzen oder
Verdauungsgeräusche offensichtlich werden, oder sogar durch die
undichte Stomaversorgung Gerüche entweichen ist es für mich vor
allem psychisch sehr belastend. Nachdem ich im letzten haben Jahr
meinen kompletten Urlaub als Gegenleistung für die zu geringe
Stundenanzahl eingetauscht habe und 50 Stunden Minus am Konto
habe, beschloss ich dem Rat meiner Ärzte zu folgen und der
Tatsache ins Auge zu schauen, dass ich diesen Beruf mit meiner
Erkrankung nicht voll erfüllen kann. Ich habe die
Berufsunfähgkeitspension beantragt welche leider im ersten
Amtsweg abgelehnt wurde. Jetzt bemüht sich der ÖZIV
(Österreichischer Zivil Invaliden Verband) über den Gerichtsweg
diese Pension für mich zuerkannt zu bekommen.
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